Seit Dezember 2023 gibt es die AG Lüneburg zu Fuß. Eine zweistellige Zahl von Initiativen und Vereinen hat sich hier zusammengeschlossen, um dem Fußverkehr in Lüneburg mehr Geltung zu verschaffen. Nach zwei Jahren ein Rückblick: Was hat sich inzwischen getan? Welche Ziele hat die AG für die kommenden Jahre? 

Sicherheit, Barrierefreiheit, Rücksichtnahme - und eine Stadt, die die Belange der Schwächeren ernst nimmt - das sind die Kernforderungen der AG. Eine ihrer Forderungen (1) wurde bereits erreicht, freut sich die Arbeitsgemeinschaft: Im Landkreis Lüneburg gibt es inzwischen einen Fahrgastbeirat für den öffentlichen Verkehr, der die Anliegen der Fahrgäste vertritt und offizieller Ansprechpartner im Landkreis Lüneburg ist (2)

AG Lüneburg zu Fuß: 5 Forderungen

Seit Dezember 2023 setzt sich die AG Lüneburg zu Fuß dafür ein, den Fußverkehr in unserer Stadt sicherer, barrierefreier und rücksichtsvoller zu gestalten. Über ein Dutzend Initiativen und Vereine wollen Lüneburg gemeinsam in eine Stadt verwandeln, in der der Fußverkehr ebenso Priorität hat wie der motorisierte Verkehr.

Nach zwei Jahren zieht die Arbeitsgemeinschaft eine erste Bilanz und gibt einen Ausblick auf ihre zukünftigen Ziele. Fünf zentrale Forderungen sollen die Bedingungen für den Fußverkehr in Lüneburg deutlich verbessern.

1. Barrierefreie und ausreichend breite Gehwege
2. Fuß- und Radverkehr trennen - Sicherheit verbessern
3. Rücksichtnahme und respektvolles Miteinander fördern
4. Konzept für den Fußverkehr erstellen - Beauftragte für Fußverkehr ernennen
5. Sozialticket für den öffentlichen Verkehr im Landkreis einführen

1. Barrierefreie und ausreichend breite Gehwege

“Gehwege sollen grundsätzlich mit dem Regelmaß von 2,50 Meter Breite geplant werden.”
(Die Bundesregierung: Geh-rechte Verkehrsplanung) (3).
Begründung: “Ein einzelner Fußgänger benötigt mindestens eine Breite von 0,8 Meter. Gehen zwei Fußgänger nebeneinander, so beträgt der Breitenbedarf bereits 1,80 Meter.” Mit entsprechenden Sicherheitsabständen “ergibt sich eine Mindestgehwegbreite von 2,50 Meter. Erst ab dieser Breite ist eine ungehinderte Begegnung von zwei Fußgängern möglich.” (4).

Die Arbeitsgemeinschaft fordert:

  • Barrierefreiheit als grundsätzliches Prinzip für die Oberfläche von Gehwegen und für Übergänge. 
  • Regeltreue bei Verkehrsplanung und Ordnungsbehörden: Bei der Planung und Sanierung von Verkehrsflächen sind die Regelwerke und die erforderlichen Maße und Abstände grundsätzlich einzuhalten.
  • Entfernen von Hindernissen und Barrieren im Gehwegbereich: Aufsteller, Werbemittel und Außengastronomie dürfen ausschließlich genehmigt werden, wenn - entsprechend den Regelwerken - genügend Platz für den Fußverkehr bleibt. Unrechtmäßige Genehmigungen sind einzuziehen.
  • Für zuverlässigen Winterdienst auf den Gehwegen ist Sorge zu tragen.
2. Rad- und Fußverkehr trennen - Sicherheit verbessern

Die unzureichende Infrastruktur für Rad- und Fußverkehr in Lüneburg führt regelmäßig zu Konflikten. Viele zu Fuß Gehende fühlen sich durch den Radverkehr bedroht. Die "Empfehlungen für Radverkehrsanlagen" (ERA 2010) sind Grundlage für die Gestaltung des Radverkehrs und besagen:
"Gehwege sollen dem Fußgängerverkehr ein ungestörtes Fortkommen und einen der Umfeldnutzung entsprechenden Aufenthalt ermöglichen. Radverkehr im Gehwegbereich kann Fußgänger verunsichern oder gefährden. Bei stärkerem Radverkehr kann der Fußgängerverkehr in die Randbereiche der Gehwege gedrängt werden, so dass ihm nur noch Restflächen zur Verfügung stehen. Auch den Ansprüchen des Radverkehrs wird mit der gemeinsamen Führung oft nur unzureichend Rechnung getragen." (ERA 2010, S. 27) (5).

  • Regeltreue bei Verkehrsplanung und Ordnungsbehörden: Bei der Planung und Sanierung von Verkehrsflächen sind die aktuellen Regelwerke und die erforderlichen Maße und Abstände grundsätzlich einzuhalten.
  • Überprüfung der benutzungspflichtigen Radwege (Zeichen 237) und der gemeinsamen Fuß- und Radwege (240, 241, Zusatzschild 239) im Stadtgebiet. Sofern sie den Vorgaben nicht entsprechen, ist die Benutzungspflicht aufzuheben und alternative Lösungen sind einzurichten.
  • Schrittweise Überprüfung der Kreuzungen des Stadtrings und der Hauptunfallstrecken in Bezug auf die Sicherheit. Grundlage dafür soll ein jährlicher Auszug aus der polizeilichen Unfallstatistik für den Bereich der Hansestadt sein (vgl. auch Unfallatlas) (4). Im Anschluss sind entsprechende Maßnahmen zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer (Fuß- und Radverkehr) zu treffen.
  • Die regelmäßigen Sicherheitsaudits der Unfallkommission von Polizei und Hansestadt sind als öffentliche Termine durchzuführen und die Ergebnisse öffentlich zugänglich zu machen.
3. Rücksichtnahme und respektvolles Miteinander fördern

Mehr als jeder Dritte in Deutschland lebt mit gesundheitlichen Einschränkungen, jede zehnte Person gilt als schwerbehindert. Behinderungen nehmen im Alter zu. Von den rund 80.000 Einwohnenden in der Hansestadt ist bereits jede vierte Person über 65 und damit tendenziell betroffen. Das Recht auf Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ist in unserem Grundgesetz verankert.
Mit gutem Grund: "Viele Ratsleute machen sich überhaupt nicht bewusst, was es bedeutet, als Geh- oder Sehbehinderte einfach ausgeschlossen zu sein aus bestimmten Bereichen der Stadt", bestätigt Miriam Ihnen vom Behindertenbeirat in Lüneburg.

  • Barrierefreiheit sollte als grundsätzliches Planungsziel bei allen Bauvorhaben verankert sein und beim Beschluss von Bauvorhaben im Rat Leitziel sein.
  • Eine jährliche Kampagne in Kooperation mit dem Rat der Hansestadt, mit Polizei, Stadtverwaltung und Verbänden soll dem Fokus richten auf schwächere Verkehrsteilnehmende und die Bedeutung von Rücksichtnahme und Miteinander im Straßenverkehr in den Vordergrund rücken.
4. Konzept für den Fußverkehr erstellen - Beauftragte für den Fußverkehr benennen

In einem mehrjährigen Prozess wurde für Lüneburg ein nachhaltiger urbaner Mobilitätsplan erarbeitet, der NUMP (7). Bei Wegebreiten, Querungsmöglichkeiten, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität besteht in Lüneburg erheblicher Nachholbedarf, stellt der Bericht fest. Die dort genannten Maßnahmen sind zügig in Angriff zu nehmen.(8)

  • Priorität soll die Entwicklung des Fußverkehrsnetzes für die Hansestadt haben als Grundlage für die strategische Planung von Verbesserungen.
  • Ein Leitfaden für Denkmalschutz und Barrierefreiheit mit Handreichung und Lösungsvorschlägen soll die Abwägung bei Zielkonflikten unterstützen.
  • Die fußgängerfreundliche, barrierefreie Umgestaltung öffentlicher Räume und Plätze mit Erhöhung der Aufenthaltsqualität.
  • Angesichts des erheblichen Nachholbedarfs soll eine Person aus dem Bereich Mobilität als Beauftragte für den Fußverkehr benannt werden. Diese soll die Umsetzung der vorgeschlagen Maßnahmen begleiten und steuern.
5. Sozialticket für den öffentlichen Verkehr im Landkreis einführen

Die AG hat bereits erste Erfolge erzielt. So wurde im Landkreis ein Fahrgastbeirat eingerichtet, der die Anliegen der Fahrgäste vertritt. Um auch sozial Schwächeren Mobilität und Teilhabe zu ermöglichen, fordert die AG die Einführung eines Sozialtickets.
Zum Hintergrund: Im Sommer 2023 zahlten Senior:innen in Lüneburg noch 32,10 Euro für die Monatskarte im Abo. Mit dem Seniorenpass für Bedürftige in Lüneburg gab es zudem einen Zuschuss von 10 Euro. Mit dem Deutschland-Ticket zum Herbst 2023 fiel dies Angebot komplett weg. Inzwischen kostet das Deutschland-Ticket 63 Euro - also doppelt so viel. Doch höchstens 50,50 Euro sieht die Grundsicherung monatlich vor für Mobilität. Bei weiteren Haushaltsmitgliedern ist es sogar deutlich weniger. (9)

  • Sozialticket oder Sozialtarif für den öffentlichen Verkehr im Landkreis Lüneburg in Kooperation von Hansestadt und Landkreis nach dem Vorbild von Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Celle, Braunschweig und Hannover. (10)
Die AG Lüneburg zu Fuß

„Füße vor!” heißt es in der AG „Lüneburg zu Fuß”, die sich Ende 2023 gegründet hat. Beteiligt sind über zehn Lüneburger Vereine und Initiativen, darunter ADFC, Behindertenbeirat, Blinden- und Sehbehindertenverband, Lebenshilfe, SoVD und VCD Elbe-Heide. Ihr Ziel: Dem Fußverkehr in Lüneburg mehr Aufmerksamkeit und Geltung verschaffen. Dazu führt die AG regelmäßig Aktionen und Begehungen durch. „Unserem Eindruck nach ist noch viel Luft nach oben, was den Fußverkehr in Lüneburg betrifft. Dabei beginnt und endet praktisch jeder Weg zu Fuß”, so die Arbeitsgemeinschaft.

Wer die Forderungen der AG unterstützen will, ist herzlich eingeladen zu den monatlichen Treffen regelmäßig am zweiten Donnerstag im Monat um 16 Uhr. Das nächste Treffen findet statt am Donnerstag, 12. Februar 2026, um 16:00 Uhr - in der Hügelstraße 1, Ecke Bleckeder Landstraße, in den Räumen des Blinden- und Sehbehindertenverbands.

Foto: FUSS e.V. Aktion „Ich steh im Weg!“ am 11. Oktober 2025 in der Heiligengeiststraße. Überall Aufsteller – und kein gutes Durchkommen mehr für Menschen mit Behinderung oder Kinderwagen oder … Am kleinen Tisch im Vordergrund sitzt Cécile Lecomte, Vizeweltmeisterin im Rollstuhl-Motocross. Trotzdem sind Wege in Lüneburg manchmal auch für sie unüberwindbar, berichtet sie.
Foto: Christine Böhm. Mitwirkende der AG Lüneburg zu Fuß bei der Aktion „Bahnhof für alle!“ am 19.10.2024.

(1) Die fünf Forderungen der AG Lüneburg zu Fuß
FUSS e.V. Lüneburg: „Füße vor”: Neue AG will Verbesserung des Fußverkehrs in Lüneburg – Aktion am 2. März 2024 - 15.01.2024

(2) Lüne-Blog: Fahrgastbeirat für öffentlichen Verkehr im Landkreis Lüneburg nimmt offiziell Arbeit auf - 12.12.2025.

(3) Die Bundesregierung: Geh-rechte Verkehrsplanung, 2.10.2020. 

(4) FIS Forschungs-Informations-System: Fußgängerverkehrsanlagen, 07.12.2022.

(5) FGSV-Verlage: ERA 2010 - Empfehlungen für Radverkehrsanlagen Technische Regelwerke

(6) Unfallatlas: Unfälle und Unfallstrecken in Lüneburg - https://unfallatlas.statistikportal.de/

(7) Hansestadt Lüneburg: Nachhaltiger Urbaner Mobilitätsplan (NUMP)

(8) Hansestadt Lüneburg: NUMP - Maßnahmensteckbriefe (PDF-Datei)
Die Maßnahmen für den Fußverkehr finden sich auf den Seiten 8-14.

(9) FUSS e.V. Lüneburg: FUSS e.V. Lüneburg fordert zuverlässigen Busverkehr und Sozialticket in Hansestadt und Landkreis - 02.02.2024

(10) FUSS e.V. Lüneburg: Sozialticket: "Mobilität als Wohnortlotterie" - 16.11.2025